Sprintstar Rene Enders:

„Wenn wir beim Bike Navy keinen Spaß haben, wo denn sonst?“

Es ließe sich als Klassentreffen bezeichnen: Wenn sich die sechs Profi-Radsportler am 11. Juli beim Bike Navy treffen, dann hat das natürlich auch mit ihrer überaus erfolgreichen Vergangenheit zu tun. All die großen Titel und Olympia-Medaillen üben ja eine Faszination aus. Sie geben den zahlreichen Teilnehmern der Veranstaltung die einmalige Chance zu beobachten, wie die Spitzenfahrer ticken – Weltklasse zum Anfassen.

Aber es gibt noch einen weiteren Aspekt, die Topfahrer verbinden das Angenehme mit dem Nützlichen. „Es ist schön, wenn wir Alten uns mal treffen“, sagt Rene Enders, gerade mal 34 Jahre jung. Man würde sich auf derartigen Zusammenkünften auch immer die „Geschichten von früher“ erzählen. Und da gibt es ja eine ganze Menge. Neben Enders (zweimal Bronze bei Olympia und Weltmeister im Teamsprint) treten an: Carsten Podlesch (zweimaliger Steher-Weltmeister), Andreas Bach (Weltmeister in der Mannschaftsverfolgung), dem Björn Schröder (mehrfacher Tour-Teilnehmer), Sixdays-Star Marcel Barth und der international erfahrene Björn Glasner. Angesichts des Wiedersehens spricht Rene Enders von einer „coolen Sache“ – eben wie vor einem Klassentreffen.

Aber klar, es gibt am 11. Juli schon auf eine Menge zu tun für die hochdekorierten Herren. Sie treten in unterschiedlicher Zusammensetzung gleich mehrfach an, etwa als 4er-Team, beim Last-Man-Standing  oder als umsichtige Begleiter der Kids und Bambinis bei den Rennen der kleinsten Teilnehmer. Auch Rene Enders blickt mehreren Einsätzen entgegen. Nur beim 4er, dem Rennen über rund 30 Kilometer, hat er sich ausgeklinkt. „Da bin ich Gott sei Dank nicht dabei, das ist mir zu lang“, sagt der Sprinter lachend. Seine Domäne sind natürlich die kurzen Distanzen, und das hatte Enders bereits im vergangenen Jahr, bei der ersten Veranstaltung auf dem Marine-Flughafen in Nordholz, eindrucksvoll beweisen.

Beim Showsprint treten nämlich einige Amateure gegen den Weltmeister an. „Aber ich gebe ihnen einen Vorsprung“, sagt Enders augenzwinkernd. Der Reiz dieses Rennens liegt also nicht nur dem Bestaunen des rasanten Tempos auf der rund 500 Meter lange Strecke. Es wird auch die spannende Frage beantwortet, ob Rene Enders allein der visuelle Eindruck seines „Gegners“ genügt, um eine gute Einschätzung vorzunehmen. Denn eines steht ja fest: Es wird fair zugehen, und das ist ja der Fall, wenn beide Fahrer möglichst zeitgleich über die Ziellinie fahren. Dabei lässt Rene Enders keinen Zweifel, dass er ungern den Kürzeren ziehen möchte – der Ehrgeiz des einstigen Weltklasse-Fahrers ist ungebrochen. Schließlich gilt er mit einer Zeit von unter neun Sekunden auf 100 Meter noch immer als Weltrekordhalter des ganz kurzen Sprints. „Ich bin der schnellste Mann der Welt“, sagt Rene Enders.

Aber natürlich geht es beim Bike Navy nicht vordringlich um Rekorde und Zeiten. Es gilt als Radrennen für alle, als Ort, an dem sportliche Ambitionen und die pure Lust am Radfahren gleichermaßen zuhause sind. „Ich sehe das auch mit viel Spaß“, betont Enders also. Die Freude der Teilnehmer, insbesondere die leuchtenden Augen der Kinder würden für eine besondere Atmosphäre sorgen. Darum geht es Rene Enders ohnehin ganz besonders. „Es wird immer schwieriger, junge Leute für den Radsport zu akkreditieren“, sagt der selbst in einem Verein aktive Fahrer. Eine Veranstaltung wie das Bike Navy könne deshalb auch in der Nachwuchsförderung helfen. Enders: „Das geht nur, wenn wir Spaß vermitteln – und wenn wir beim Bike Navy keinen Spaß haben, wo denn sonst?“